Die Röntgenaufnahme (Radiographie)
Die Radiographie wurde vor mehr als 100 Jahren entdeckt, bleibt jedoch von unbestreitbarem Nutzen für viele Bereiche der medizinischen Diagnose.
Bei der Radiographie kommen Röntgenstrahlen zum Einsatz. Diese gehören zur gleichen Familie wie die Lichtstrahlen, aber mit einer kürzeren Wellenlänge. Sie haben die Eigenschaft, sich auf einer Röntgenplatte festhalten zu lassen, ähnlich wie das Licht auf einem Fotofilm. Im Gegensatz zum Foto ergibt die Röntgenaufnahme jedoch kein Bild von unserer körperlichen Hülle. Da die Röntgenstrahlen die Materie durchwandern, kann der Röntgenfilm das so gewonnene Bild festhalten und uns einen Einblick in das Innenleben unseres Körpers erlauben. Je nach durchleuchtetem Organ wird das Negativ mehr oder weniger schwarz sein. Die Knochen, die einen Teil der Strahlen auffangen, hinterlassen weiße Spuren auf dem Negativ und die Organe, wie z.B. die Lungen, bleiben schwarz.
Während zunächst nur ihre Fähigkeit erkannt wurde, die Materie durchdringen zu können, wurde sehr rasch auch die Schädlichkeit der Strahlen erkannt. Unterschiedliche und notwendige Sicherheitsmaßnahmen haben die Röntgentechnik verfeinert und dank der Visualisierungstechniken durch Kontrastmittel konnten sich einzelne Röntgenfachgebiete entwickeln (z.B. die Arteriographie, die Radiographie der Blutgefäße) oder später dann die Digitalisierung der Bilder (Computertomographie mit Röntgenstrahlen).
Wozu dienen Röntgenaufnahmen?
Der Nutzen dieser Untersuchung ist vielfältig. Die Radiographie des Brustkorbs ist eine der am meisten verschriebenen Untersuchungen. Sie wird eingesetzt, um das Herz, die Lungen, die großen Gefäße zu durchleuchten und die ersten Anhaltspunkte für die verschiedenen Erkrankungen der Lunge (Tuberkulose, Lungenentzündung, …) oder des Herzens zu erhalten.
Die Ärzte fordern auch häufig eine Röntgenaufnahme von Knochen und Gelenken an. So lassen sich Verletzungen (Brüche, …), Missbildungen oder Verrenkungen der Gelenke aufspüren. Auch Zahnärzte greifen oft zu diesem Mittel, um Auffälligkeiten zu entdecken, die sich bei der klinischen Untersuchung nicht feststellen lassen, wie Karies im Anfangsstadium, Abszesse oder retinierte Zähne, …
Röntgenaufnahmen sind jedoch keine Allheilmittel. Sie zeigen nicht alles, aber was sie zeigen ist manchmal wenig erheblich. Gleichzeitig bleiben sie aber ein einfaches Mittel, um erste Feststellungen zu machen, die nach ergänzenden Untersuchungen zu einer Diagnose führen können.
Wie verläuft eine Röntgenuntersuchung?
Eine Röntgenuntersuchung wird von einem Radiologen in einem Krankenhaus oder in seiner privaten Praxis durchgeführt. Angeordnet wird sie vom Hausarzt oder vom behandelnden Facharzt.
Eine Röntgenaufnahme nimmt kaum Zeit in Anspruch, ist völlig schmerzfrei und erfordert keine besondere Vorbereitung. Sie begeben sich in einen Raum, in dem ein Röntgengerät steht, das aus einem beweglichen Arm mit einer Röntgenröhre und einer Röntgenplatte besteht, die heute den Röntgenfilm enthält. Hinter einem bleigeschützten Fester, die schädliche Strahlungen fernhält, befindet sich die Schalttafel, an der ein Arzt oder Techniker Platz nimmt.
Um eine Aufnahme des Brustkorbs zu erhalten, stellt der Arzt oder Techniker Sie mit freiem Oberkörper, gesenkten Schultern und Ellbogen nach vorne ausgestreckt gegen eine Platte, die den Film enthält. Dann müssen Sie tief einatmen, damit die Lungen besser zu sehen sind, die Luft anhalten und dürfen sich nicht bewegen…! Nach dieser Frontaufnahme wird auch noch ein Seitenprofil erstellt. Weshalb? Eine Röntgenaufnahme ist ein zweidimensionales Bild der verschiedenen Gewebe und Organe. Auf dem Negativ überlagern diese sich. Der Sinn? Es ist manchmal schwierig, festzustellen, was sich vor oder hinter den sichtbarsten Körperorganen befindet, wie der Knochenbau. In diesem Fall kann eine Profilaufnahme interessante zusätzliche Informationen liefern.
Für Knochenaufnahmen werden Sie so gelegt, dass die zu durchleuchtenden Körperpartien sich zwischen Röntgenröhre und -platte befinden. Um das Problem der Überlagerungen der Gewebe und Knochen zu vermeiden, müssen Sie ganz bestimmte Stellungen einnehmen, die Ihnen der Arzt oder Techniker zeigt. Auch hier werden meistens mehrere Aufnahmen gemacht, von vorne und von der Seite.
Häufig erhalten Sie vom Radiologen unmittelbar nach der Untersuchung bereits eine erste Erklärung zu den Aufnahmen. Das endgültige Gutachten übermittelt er jedoch dem Arzt, der die Aufnahme beantragt hat, also Ihrem Hausarzt oder Ihrem behandelnden Facharzt, die Ihnen eine ausführliche Erklärung geben.
Strahlenschutzmaßnahmen
Röntgenstrahlen sind für den menschlichen Körper gefährlich. Nur ausreichend qualifizierte Ärzte führen diese Untersuchungen durch und treffen alle erforderlichen Maßnahmen, um sich selbst wie auch die Patienten optimal zu schützen (jährliche technische Prüfung des Materials, Sicherung der Röntgensäle, die abgeschlossen und mit Blei geschützt sein müssen...).
Die Menge, der bei einer Untersuchung freigesetzten Strahlen ist freilich sehr gering. Die bei einer einfachen Aufnahme freigesetzten Strahlen entsprechen der Menge, die Sie von der natürlichen Sonnenbestrahlung während eines vierstündigen Flugs erhalten. Allerdings sollten wir nicht vergessen, dass der Körper bei jeder neuen Aufnahme weitere Strahlen aufnimmt. Die Wiederholung der Bestrahlung kann gefährlich sein. Demnach sollte die Regel lauten: weder für Kinder, noch für Erwachsene unnötige Aufnahmen!
Eine Röntgenuntersuchung ist nicht harmlos. Es gibt sogar Gegenanzeigen: z.B. bei Frauen zu Beginn der Schwangerschaft. Wenn Sie also schwanger sind, weisen Sie den Radiologen darauf hin. Da bei Röntgenaufnahmen in den ersten drei Monaten mit Missbildungen des Fötus zu rechnen ist, wird der Arzt versuchen, in dieser Zeit auf jeden Fall solche Aufnahmen zu vermeiden. Sollte eine solche Untersuchung absolut unvermeidbar sein, werden zusätzliche Schutzmaßnahmen getroffen.
