Die Risiken von Brustkrebs kennen
Jeder vierte Krebsfall ist heute Brustkrebs. Es lässt sich also gut nachvollziehen, dass dessen Vorbeugung ein wichtiges Anliegen der öffentlichen Gesundheitspolitik und der wissenschaftlichen Forschung ist. Um einen wirksamen Aktionsplan zu gestalten, muss man jedoch zunächst die Krankheit in ihrer ganzen Komplexität verstehen und die Risikofaktoren ermitteln. Dazu gehören Umwelteinflüsse und unser Lebensstil.
Brustkrebs entsteht wie jede Krebsart. Zunächst bildet sich eine ungewöhnliche Zelle, die sich über kurz oder lang unkontrolliert zu vermehren beginnt. Nach einer zehnfachen Vermehrung kann eine einzige dieser Zellen bereits eine Ansammlung von etwa 1000 Tumorzellen bilden, das sind sehr aggressive Zellen, die nach und nach das Organ zerstören, auf dem sie sich niedergelassen haben.
Im allerfrühesten Stadium ist ein Krebs häufig kaum festzustellen, ob bei der klinischen Untersuchung, der Röntgenaufnahme oder der Sonographie. Der Krebs verursacht in diesem Stadium weder Schmerzen noch andere besondere Symptome. Wenn er sich jedoch weiterentwickelt, bildet er einen Tumor. In den meisten Fällen zeigt Brustkrebs sich durch Knötchenbildung, die durch Abtasten festgestellt werden können. Aber es gibt auch andere Anzeichen, die beachtet und dem Arzt mitgeteilt werden sollten, damit er eine Untersuchung veranlassen kann: eine Veränderung der Brust, die sich zum Beispiel nach innen zieht, eine Bruströtung oder ein Ausfluss aus der Brustwarze.
Die Behandlung des Brustkrebses erfordert den Einsatz von Strahlen- und Chemotherapie, Chirurgie (Amputation einer Brust oder Mastektomie) oder eine Kombination mehrerer dieser Therapien. Ohne Behandlung verbreitet der Krebs sich immer weiter: durch Invasion und Infiltration der benachbarten Gewebe in Form von Metastasen. In diesem Fall löst sich eine Gruppe von Zellen vom ursprünglichen Tumor, gelangt in die Blutbahn oder die Lymphdrüsen und setzt sich so in anderen Körperteilen fest, manchmal sehr weit vom ursprünglichen Tumor entfernt. Wenn erst einmal Metastasen auftreten, wird die Heilung sehr schwierig. Je weiter der Krebs sich ausgebreitet hat, desto schwieriger wird es, ihn zu entfernen oder zu zerstören. Aus diesem Grund muss alles darangesetzt werden, ihn frühzeitig zu erkennen und schnell zu handeln.
Risikofaktoren
Wie entsteht Brustkrebs? In Wirklichkeit sind die Faktoren, die zu dieser Krankheit führen, vielfältig. Es wurden mehrere Risikofaktoren erkannt und die krebsfördernden Faktoren wurden besonders herausgestellt.
Umweltfaktoren und Lebensweise
Erblichkeitsfaktoren oder Krankheitsgeschichte
Die Risikofaktoren sind in der eigenen Krankheitsgeschichte oder in der erblichen Vorbelastung zu suchen. Forschungen haben ergeben, dass bestimmte Gruppen ein höheres Risiko laufen, Brustkrebs zu entwickeln (1):
Die Wissenschaftler, die sich mit Brustkrebs befassen, haben ihre Forschungen natürlich nicht auf die Krankheitsgeschichten der Patientinnen und ihre erbliche Vorbelastung beschränkt. Seit einigen Jahren interessieren sie sich auch für Umwelteinflüsse und Risiken, die mit der Lebensweise zusammenhängen.
Ernährung, Alkohol und Brustkrebs
Mehrere Studien haben zutage gefördert, dass ein Zusammenhang zwischen Brustkrebs und Ernährung besteht. Nach einem Vorgang, der noch nicht vollständig untersucht und geprüft ist, wirkt die Ernährung sich auf die Hormone und den Stoffwechsel, die Physiologie und das Immunsystem aus, die in bestimmten Phasen der Tumorbildung eine Rolle spielen…
Vor Kurzem wurde festgestellt, dass die Brustkrebsrate in westlichen Ländern vier bis fünf Mal höher liegt, als in Japan, das ja auch eine hochentwickelte Industrienation ist. Der Grund für diesen Unterschied soll in der Ernährung liegen. Als Beweis hierfür dient die Feststellung, dass der Unterschied zwischen japanischen Einwanderern in den USA und den amerikanischen Frauen nach einer Generation bereits nicht mehr so groß ist. Der Grund hierfür dürfte eindeutig darin liegen, dass die japanischen Einwanderer die Essgewohnheiten der Amerikaner übernehmen.
Einige Bestandteile unserer Ernährung dürften also das Krebsrisiko erhöhen. Hauptverdächtige sind dabei die Fette, insbesondere die gesättigten Fettsäuren, aber auch die tierischen Eiweiße. Unsere Ernährungsgewohnheiten werden also in Frage gestellt, insbesondere unsere Vorliebe für eine reichhaltige und üppige Nahrung und die sich daraus ergebende Neigung zur Dickleibigkeit. Unter Wissenschaftlern herrscht weitgehend Einigkeit in diesem Punkt. Im Februar 2001 kamen die Experten des Internationen Krebsforschungszentrums der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu dem Schluss, dass Übergewicht und chronischer Bewegungsmangel das Risiko von Brustkrebs nach der Menopause erhöhen.
Während also einige Nahrungsmittel nur in Maßen genossen werden sollten, scheint es bei anderen keine Einschränkung zu geben. Gemüse, Obst und Lebensmittel, die Beta-Karotin, Vitamin C und D enthalten, sollen Brustkrebs sogar verhindern (2).
Wie sieht es mit dem Genuss von Alkohol aus? Ist Alkohol ein Risikofaktor? Eine vor Kurzem vom französischen INSERM-Institut durchgeführte Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass jede Art von Alkoholgenuss das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um 10 Prozent erhöht, sofern mehr als ein Glas pro Tag getrunken wird. Woran liegt das? Nach einer Hypothese, die jedoch noch erhärtet werden muss, sollen die freien Radikale, die beim Alkoholgenuss entstehen, echte Krebsauslöser sein.
Risikofaktor Rauchen
Dass Tabak schädlich ist, braucht nicht mehr nachgewiesen zu werden. Nikotin spielt eine entscheidende Rolle beim Entstehen von Lungen- und Kehlkopfkrebs... Aber wie sieht es mit Brustkrebs aus? Eine Schweizer Studie hat hierzu bereits 1996 interessante Fakten aufgedeckt: Frauen, die ein Päckchen pro Tag rauchen, erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, um 4,6 Mal gebenüber solchen, die niemals geraucht haben. Eine Passivraucherin, die nicht selbst raucht, aber in Kontakt mit Rauchern ist, erhöht dieses Risiko um 3,2 Mal (3). Im März 2000 kamen kanadische Wissenschaftler zu dem Schluss, dass Rauchen und Passivrauchen während einer langen Zeit das Risiko von Brustkrebs in der Menopause verdoppeln. Dieses Risiko steigt nach der Menopause nochmals um 30 bis 60 Prozent (4). Diese Zahlen, auch wenn sie noch erhärtet werden müssen, sollten doch zum Nachdenken anregen !
Antibabypille, Hormonsubstitutionstherapien: ein Risiko?
Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko wegen der Einnahme oraler Verhütungsmittel konnte in den zahlreichen Untersuchungen, die hierzu geführt wurden, nicht nachgewiesen werden (5). Allerdings soll die Hormonsubstitutionstherapie (HST) in den Wechseljahren (6) ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringen. Diese Beobachtungen sind jedoch mit Vorsicht zu genießen. Einige neigen eher zu der Annahme, dass die Einnahme von Hormonen keine Rolle bei der Entstehung von Krebs spielen, sondern höchstens das Wachstum bereits bestehender Tumore beschleunigen. Die HST zeigt sich jedoch wirksam bei der Vorbeugung von Alterungserscheinugnen, Osteoporose usw. Frauen, denen eine HST empfohlen wird, sollten zunächst prüfen lassen, ob sie zu den Risikogruppen für Brustkrebs gehören und dann sorgfältig mit dem Arzt abwägen, ob die Behandlung durchzuführen ist.
Sind elektromagnetische Felder und Strahlungen krebserregend?
Heutzutage wird nicht nur die Lebensweise der Frauen untersucht. Darüber hinaus werden ebenfalls direkte oder indirekte Umweltfaktoren beobachtet, die krebsfördernd sein könnten. So befassen Forscher sich auch mit elektromagnetischen Feldern mit extrem niedrigen Frequenzen (ELF). Einige Forscher untersuchen, ob die DNA-Struktur durch die elektromagnetischen Felder verändert werden könnte und auf diese Weise das Entstehen von Krebs gefördert werden könnte. Wie bereits erwähnt, sind viele Forscher mit der Auswirkung der ELF beschäftigt (7), die von Handys und von Mobilfunkantennen ausgehen. Andere befassen sich mit den elektrischen Hochspannungsleitungen und Haushaltsgeräten. Bisher konnten die gesammelten Daten den Zusammenhang noch nicht hinreichend belegen (8). Röntgenstrahlen hingegen sind nachweislich krebsfördernd. Alles hängt aber von der Dosis und, offensichtlich auch vom Alter, in dem die Bestrahlung stattfindet, ab. (9).
Und die Organochlorverbindungen?
Neben den natürlichen umweltgebundenen Faktoren, erscheint eine Untersuchung bestimmter chemischer Produkte hinsichtlich ihrer krebsfördernden Wirkung nicht ganz unerheblich. Im Fadenkreuz stehen hier in erster Linie die Organischen Chlorverbindungen, wie DDT (10) und PCB (11). Diese wurden in der Vergangenheit nämlich häufig verwendet und sind inzwischen überall in unserer Umwelt anzutreffen. Sind Sie gesundheitsgefährdend oder gar krebserregend? Können Sie sich mit bestimmten Hormonen verbinden und auf diese Weise Brustkrebs auslösen? Diesen Fragen gehen die Wissenschaftler zurzeit nach. In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte ein erheblicher Zusammehang zwischen der Konzentration der meisten Formen von PCB und dem Brustkrebsrisiko nachgewiesen werden (12). In einer weiteren Untersuchung stellte sich heraus, dass ein Zusammenhang besteht zwischen der Konzentration von Pestiziden, wie DDT, und der Größe der Lymphknotentumore (13). Allerdings sind diese Schlussfolgerungen nach Meinung einiger Wissenschaftler noch zu prüfen und eingehender zu untersuchen!
Florence Coutellier – Dieser Artikel wurde in der Krankenkassenzeitschrift En Marche vom 6. Dezember 2001 veröffentlicht. (1) (2) (8) (9): Anastasia CHIZ and al., Rapport sommaire. Examen des facteurs de risque de cancer du sein liés au style de vie et à l’environnement, Rapport du groupe de travail sur la prévention primaire du cancer du sein, Initiative canadienne sur le cancer du sein, Santé Canada, Ministère des Travaux publics et Services gouvernementaux, 2001.
Natürliche, chemische und ernährungsbedingte Faktoren... Bei der Vorbeugung von und im Kampf gegen Brustkrebs wird heute keine mögliche Spur mehr ausgelassen. Der Aufwand ist groß und es stellen sich unzählige Fragen. Offenbar wird Brustkrebs aber durch interne Faktoren wie Alter und genetische Verfassung ausgelöst. Externe Faktoren spielen sicher auch eine gewichtige Rolle, deren wirkliche Einflüsse jedoch noch zu messen sind. Welche präventiven Möglichkeiten bleiben uns also angesichts dieser Fragen? Eine erste Empfehlung lautet auf jeden Fall: leben Sie gesund, achten Sie auf ausgeglichene Ernährung, rauchen Sie nicht, bewegen Sie sich regelmäßig. Als zweites sollten Sie die Früherkennungsuntersuchungen wahrnehmen. Es kann nicht oft genug wiederholt werden: je früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Heilungsaussichten. Das regelmäßige Abtasten der Brust, die Untersuchung durch den Frauenarzt, eine Mammographie für Frauen ab 50 und Frauen, die eine familiäre oder eigene Vorgeschichte haben gehören zu diesen Maßnahmen.
(3) Studie von A.MORAVIA, veröffentlicht im American Journal of Epidemiology, 1996.
(4) Cancer causes and Control, Studie, Canadian Institutes of Health Research, März 2000.
(5) Not. Analysen, Journal American Medical Association, 2000
(6) Not. Erklärung von Fachleuten des National Institute on Environment Health Sciences (USA).
(7) Artikel „Gsm: un danger pour la santé?“, En Marche, 4. Oktober 2001, Seite 5.
(10) Dichlor-diphenyl-trichloräthan. Sehr starkes Insektizid (11) –Poly-Chlorierte Biphenyle. In Kitt, Tinte, Farbzusätzen, KSS-Ölen, …
(12) in Cancer Epidemiology, Biomakers and Prevention, April 2000.
(13) E. DEWAILLY, Risk and agressiveness of breast cancer in relation to plasma and organochlorine concentration, in Cancer Epidemiology..., April 2000.
